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Die Gemeinde informiert

Strukturanalyse bringt Investitionen in Millionenhöhe

Zweckverband Wasserversorgung „Südkreis Mannheim“ tagte / Erweiterungen im Reilinger Wasserwerk geplant

Kurz vor der Sommerpause tagte die Verbandsversammlung des Zweckverbands Wasserversorgung „Südkreis Mannheim“ im Altlußheimer Rathaus. Auf der Tagesordnung stand unter anderem die Strukturanalyse. Darin hatte Erich Schulz vom gleichnamigen Ingenieurbüro das gesamte Wasserwerk samt Förderbrunnen und Leitungen auf den Prüfstand gestellt und auf Schwachstellen hin abgeklopft.

Bei Versorgung gut aufgestellt

Verbandsvorsitzender, Neulußheims Bürgermeister Gunther Hoffmann, unterstrich die Wichtigkeit der Strukturanalyse. Denn nichts sei schlimmer als ein Wasserausfall. Und natürlich sei es für den Verband und die angeschlossenen Gemeinden auch wichtig zu wissen, was in Zukunft an Ausgaben auf sie zukomme. Schließlich versorgt der Zweckverband 42.700 Menschen mit Trinkwasser, davon rund die Hälfte in Hockenheim, 7.600 in Reilingen, 7.100 in Neulußheim und 6.100 in Altlußheim.

Über sieben Brunnen mit einer Ausbautiefe zwischen 27 und 33 Metern fördert das Reilinger Werk Wasser. Die maximale tägliche Fördermenge liegt bei rund 14.800 Kubikmetern.

Im Vergleich der vergangenen Jahre stieg der mittlere Wasserverbrauch von rund 2,3 Millionen Kubikmetern im Jahr 2014 auf gut 2,6 Millionen Kubikmeter im vergangenen Jahr. Die jährliche Steigerung um 2,3 Prozent ist in erster Linie Neubaugebieten und dem Anstieg der Bevölkerung geschuldet. Bei einer rechtlich gesicherten maximalen Fördermenge von 3,5 Millionen Kubikmetern verfügt das Wasserwerk über ausreichende Reserven, so Schulz.

Das Wasserfördergebiet im Staatswald „Untere Lußhardt“ liegt in einem Flora-Fauna-Habitat- Schutzgebiet. Es wird mit insgesamt 38 Pegeln überwacht, so dass im Werk rechtzeitig auf eventuelle Verunreinigungen reagiert werden kann.

„Die Wasseraufbereitung arbeitet mit acht Filtern und einem Oxidator, hat einen maximalen Durchsatz von über 15.000 Kubikmetern täglich, was bei der maximalen Fördermenge des Werks genügend Spielraum lässt“, betonte Schulz. Auch die Pumpengruppen, zwei Anlagen mit je vier Pumpen, die eine für Hockenheim, die andere für Reilingen und Lußheim, sind auf dem neuesten Stand, so der Ingenieur. Obendrein seien die Pumpengruppen so ausgelegt, dass eine Gruppe allein das gesamte Gebiet versorgen kann und die Versorgung auch noch gewährleistet ist, wenn die Hälfte der Pumpen ausfällt.

Schulz sah somit hinsichtlich der Wasseraufbereitung und der Pumpengruppen, abgesehen von den üblichen Unterhaltungsarbeiten, keinen Anlass für Handlungsbedarf.

Speicherkapazität muss erweitert werden

Von den vier Speicherbehältern sind drei annähernd 50 Jahre alt, der jüngste und der größte ist 17 Jahre alt. In der Summe hat das Werk eine Speicherkapazität von 7.790 Kubikmetern Wasser.

Damit steht die Erneuerung der drei älteren Behälter an. Zusätzlich muss deren Fassungsvermögen erhöht werden. Die Reserve müsste knapp das doppelte betragen, was die Speicherbehälter derzeit hergeben, so Schulz.

Mehr Sicherheit durch zweite Förderleitung

Zur Verteilung des Wassers verfügt der Verband über ein Netz mit einer Länge von über 17 Kilometern, jede Gemeinde ist über zwei Zuleitungen angebunden, so dass Ingenieur Schulz auch hier keinen akuten Handlungsbedarf sieht. Zwar müsse das Netz sukzessive erneuert werden, doch geschehe dies durch die üblichen Instandhaltungsarbeiten.

Allerdings muss die rund einen Kilometer lange und gut 50 Jahre alte Brunnenleitung für den Wassertransport aus dem Fördergebiet zum Wasserwerk erneuert und ausgebaut werden. Hier müsse aus Sicherheitsgründen unbedingt eine zweite Brunnenleitung für rund zwei Millionen Euro gebaut werden.

In einem zweiten Schritt gelte es, den Speicher Nummer drei zu erneuern. Wobei, merkte Schulz an, auch die Speicher eins und zwei überprüft werden sollten – sie sind ins Erdreich gebaut und im Schadensfall sind ihre Zuleitungen kaum zu erreichen. Für einen neuen Speicher mit einer Kapazität von 5000 Kubikmetern rechnet Schulz mit Kosten von rund 4,2 Millionen Euro.

Die Verbandsversammlung beauftragte das Ingenieurbüro Schulz einstimmig damit, eine zweite Brunnenleitung zu planen und damit den Mitgliedern einen konkreten Kostenrahmen samt verschiedener Varianten für Trassenbau und Behälterersatz vorzulegen.


Jahresabschluss 2019 beschlossen

Der von Verbandsrechner Volker Müller den Vertretern vorgelegte Jahresabschluss 2019 weist eine Bilanzsumme von rund 6,58 Millionen Euro aus. Das bilanzierte Anlagevermögen beläuft sich auf rund 6,45 Millionen Euro. Dem Eigenkapital von knapp 1,57 Millionen Euro (23,83 Prozent) stehen Verbindlichkeiten von 5 Millionen Euro gegenüber. Ein Jahresgewinn oder -verlust entstand satzungsgemäß nicht.

Finanziert wird der Wasserzweckverband von den vier Mitgliedsgemeinden Altlußheim, Hockenheim, Neulußheim und Reilingen über eine jährliche Betriebs- und Finanzkostenumlage. Nachdem die Wasserabgabemenge sich um rund 1,5 Prozent vermindert hatte, ist der Wasserpreis um 4,36 Cent auf 49,35 Cent je cbm für die Gemeinden gestiegen. Kostensteigerungen bei Materialaufwand und Energiebezug konnten durch Einsparungen abgefangen werden. Hauptinvestitionen waren rund 66.000 Euro für den Austausch des Notstromaggregates und 17.000 Euro für den Austausch der Filterkessel 1 bis 3.
Foto: Lenhardt

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