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Von der Luther-Eiche bis zum "Hirsch"

Vor der evangelischen Kirche hatten sich viele Interessierte eingefunden
Vor der evangelischen Kirche hatten sich viele Interessierte eingefunden

Reformation und 200 Jahre alte Schildwirtschaft stehen im Mittelpunkt beim Tag des offenen Denkmals
 
Natürlich ist der Ort dafür prädestiniert, denn Reilingen hat viel Geschichte und Allerlei interessante und amüsante Geschichtchen zu bieten. „Unser Philipp Bickle hat ein Geschichtswissen von mehreren Jahrhunderten in seinem Kopf“ sagte Bürgermeister Stefan Weisbrod anerkennend bei seiner Begrüßung und übergab das Wort an den Mann der „Freunde Reilinger Geschichte“. Dieser hatte sich für 2017 interessante und passende Themen und Objekte ausgesucht.
 
500 Jahre Reformation, was würde da besser passen als das Thema „Luther“ und die reformierte Reilinger Kirche. „In einer reformierten Kirche gibt es keine Bilder, dafür eine Kanzel und die ist ganz wichtig“, sagte Bickle zum den knapp 80 Besuchern mit Blick auf die „Luther- Eiche“ neben der Kirche. „Die Pfarrer haben schon immer ernste Sachen zu den Menschen gesagt“, erklärte er die Nutzung der Kanzel.
 
Zu Beginn der historischen Führung ließ Karl- Heinz Hocker die älteste Glocke im Kirchturm läuten: „Das ist unsere Gedächtnisglocke, oder auch Trauerglocke genannt“. Hocker stellte auch die Brüder und Schwestern der ältesten Glocke vor.
 
Und wenn die Glocken läuten und die Menschen in die Kirche rufen, darf natürlich auch die Orgel nicht fehlen. Ein Instrument, dessen Größe meist verkannt wird, da nur die Tasten zum Spielen und eine Teil der Pfeifen zu sehen sind. So nahm Wolfgang Müller die Gelegenheit war und gab den Gästen einen Blick in das Innenleben der Kirchenorgel und erklärte wie man das Instrument erklingen lässt. „So, jetzt dürfen sie mal raten, wie viele Pfeifen unsere Orgel hat“, fragte er. Ein zartes 50 war zu hören und steigerte sich dann auf über 300. Als Wolfgang Müller bei über 500 Pfeifen immer noch den Kopf schüttelte, wollten die interessierten Gäste nun doch die Antwort wissen. „Es sind 1558 Pfeifen, wobei die längste rund 4,80 Meter lang ist und den tiefsten Ton erzeugt. Die kürzeste, und somit die mit dem höchsten Ton, kommt auf knapp 4 Zentimeter. Während jeder einmal eine dieser besonderen Pfeifen in den Händen halten durfte, tauchte auch noch die Frage nach dem Alter auf. Auch diese wurde sofort mit dem Jahr 1963 beantwortet. Zum Abschluss wurde gemeinsam zum Spiel von Wolfgang Müller das Lied „Großer Gott wir loben Dich“ gesungen.
 
Bei strahlendem Sonnenschein ging es weiter über den Rathausplatz, wo sich früher die Kirche und somit natürlich auch der „Käichhof“, also der Friedhof, befunden hatte. Bickle wies hier auf die Glocke im Rathaus hin, die zuletzt vor 30 Jahren bei der Apfel- und Zwetschgenversteigerung geläutet wurde. „Sie läutete immer zu Versteigerungen, auch wenn das Erbe von Verstorbenen versteigert wurde“, berichtete Philipp Bickle.
 
Weiter ging es zum ehemaligen vornehmen Wirtshaus „Zum Hirsch“, dass vor genau 200 Jahren errichtet wurde. Es war nicht nur Wirtshaus, sondern auch Pension und wurde sogar zu einer „Schildwirtschaft“ ernannt. Diese musste den Gästen ausreichend Verpflegung und eine Unterstellmöglichkeit für die Pferde bieten. Auch befand sich bis 1927 beim „Hirsch“ einer der Reilinger Wasserbrunnen, an dem regelmäßig alle Neuigkeiten ausgetauscht wurden. Die erste Tankstelle wurde ebenfalls direkt vor dem Wirtshaus errichtet. Zu den Gästen im Hirsch zählte auch der Freiherr von Drais, der mit seiner Laufmaschine durch Reilingen fuhr. Wie das ausgesehen haben könnte, zeigte Ludwig Schell, der mit dem Gefährt durch den Torbogen in den Hof gefahren kam. Fritz Anselment verlas als Ortsbüttel die Bekanntmachung zur Verleihung der Schildgerechtigkeit. Neben ihm stand dabei der heutige Besitzer, Peter Bohmeier. Dieser erhielt am Sonntag von Philipp Bickle einen kleinen Hirsch zur Erinnerung und zum Dank, dass man beim Tag des offenen Denkmals im Hof des ehemaligen Gasthauses einkehren durfte. Bickle unterhielt die Gäste noch mit spaßigen Geschichten der verschiedenen Wirte und welche „Fätz denä im Hänn rumgange sin“. Nach einem Spiel auf dem 120 Jahre alten Harmonium wurde im Hof des „Hirsch“ endlich mal wieder ein Fass aufgemacht und der gelungene Tag des offenen Denkmals gefeiert.
kd, Fotos kd

Im Hof des "Hirsch"
Im Hof des "Hirsch"

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