Gemeinde Reilingen

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Von Fischen und Kleinstlebewesen durchwanderbar

[Online seit 12.10.2020]


Zwischen Altlußheim und Bad-Schönborn wird der Kriegbach ökologisch aufgewertet
 
Für aquatische Organismen, wie Fische und Kleinstlebewesen, soll der Kriegbach wieder besser durchwanderbar sein. Erreicht werden soll das mit einer Vielzahl kleinerer und größerer Einzelmaßnahmen, die seit Anfang August bis voraussichtlich Ende Oktober zwischen Altlußheim und Bad-Schönborn umgesetzt werden. Mit den Maßnahmen werden die Vorgaben der im Jahr 2000 in Kraft getretenen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt. Sie bestimmt, dass die Wasserpolitik stärker auf eine nachhaltige und umweltverträgliche Wassernutzung auszurichten ist. Für die Planung und Umsetzung ist das Referat 53.2 – Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium Karlsruhe  verantwortlich. Die Baukosten von rund einer halben Million Euro trägt das Land Baden-Württemberg.

Mit dem Einbau von Totholz ist ein Unterstand für Fische entstanden, die sich gern verstecken.
Mit dem Einbau von Totholz ist ein Unterstand für Fische entstanden, die sich gern verstecken.

Kleinstmaßnahmen, wie den Rückbau von Sohlschwellen und den Aufbau von Steinbuhnen, hat die DBS Schmitt GmbH aus Waghäusel in einem ersten Los bereits zum großen Teil umgesetzt. Die Realisierung des zweiten Loses erfolgt durch die  BSD Baustoff- und Gewässersanierungs GmbH aus Dessau. Sie ist seit der letzten Augustwoche mit einer naturnahen Umgestaltung von einem 700 Meter langen Gewässerabschnitt zwischen der Sandsteinbogenbrücke und der Forstwegbrücke an der Hexenblättelallee im Bereich der Gemarkungsgrenzen von Altlußheim, Waghäusel und Reilingen beschäftigt. Konkret handelt es sich dabei um die Herstellung der Durchwanderbarkeit für die befestigten Sohlen der alten Bogenbrücke und der Holzbrücke, sowie den Rückbau der jeweiligen Wehre. Im Leistungsumfang enthalten sind darüber hinaus diverse Strukturierungsmaßnahmen entlang des besagten Gewässerabschnitts.

Bevor die punktuellen Modellierungsarbeiten angegangen werden können, trägt ein Schreitbagger den Mutterboden ab.
Bevor die punktuellen Modellierungsarbeiten angegangen werden können, trägt ein Schreitbagger den Mutterboden ab.

Erste strukturelle Veränderungen umgesetzt
 
Die Durchwanderbarkeit der befestigten Sohle der Holzbrücke wurde durch den Aufstau der im Unterstrom befindlichen Holzbuhne erreicht. Der Höhenunterschied, den der Absturz erzeugte, ist durch eine Dreiecksbuhne und Holzbuhnen über mehrere Meter Fließweg abgebaut worden. Während der vielleicht auf zehn Jahre begrenzten Haltbarkeit von Holz im Wasser sollen auf der Fläche der Dreiecksbuhne Sträucher wachsen, die mit ihren Wurzeln nach der Verrottung des Holzes die Strömungsdiversität weiter fördern und zudem einen Unterschlupf für die aquatischen Lebewesen bieten. Teile des Bodenmaterials innerhalb der Buhne werden langfristig, insbesondere bei Hochwasser, abgetragen. Das verrottende Holz ist in dieser Zeit nicht nur eine Stütze bis die Pflanzen groß genug sind, sondern soll auch eine Nahrungsquelle für Kleinstlebewesen sein, die letztendlich für Fische eine Nahrungsquelle darstellen. Mit dem Einsatz verschiedener Holzarten wird versucht, möglichst vielen unterschiedlichen Kleinstlebewesen eine Nahrungsgrundlage zu bieten, was sich auch auf die Artenvielfalt der höheren Lebewesen, wie Fische auswirken soll.

Ein angelegter Unterstand am linken Ufer dient in der Übergangszeit als Versteckmöglichkeit für Fische. Diese Funktion soll zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls von den Pflanzen auf der Buhne übernommen werden.
Derzeit wird an einem ersten von drei Aufweitungsbereichen im Verlauf des 700 Meter langen Strukturierungsabschnitts gearbeitet. Sie sollen einen Zugang und Querungsmöglichkeit für Wildtiere bieten und ferner ein günstigeres Geländeniveau für heranwachsende Sträucher und Bäume schaffen. Dazu muss zunächst der Mutterboden abgetragen werden. Er wird zwischengelagert und nach Abschluss der Modellierungsarbeiten wieder zur Andeckung genutzt.  

Blick auf gleich vier ingenieurbiologische Bauweisen an der Brücke der Hexenblättelallee.
Blick auf gleich vier ingenieurbiologische Bauweisen an der Brücke der Hexenblättelallee.

Defizitäre Gewässerstruktur
 
Der Kriegbach (früher Kriech) wurde als Hochwasser-Entlastungskanal für den Kraichbach gebaut. Die Ableitung beginnt am Schneidmühlenwehr nördlich von Ubstadt-Weiher (Ortsteil Stettfeld) nahe der Gemeindegrenze zu Bad Schönborn auf etwa 108 Meter Höhe über Normalnull. In seinem 18,3 Kilometer langen Verlauf in nord-westlicher Richtung führt das Gewässer durch das Waldgebiet der Lusshardt, wo es 13 Kilometer verbleibt und nur auf einem kleinen Teilstück die Reilinger Gemarkung tangiert. Kurz vor Verlassen fließt von Süden her der Duttlacher Graben zu, der im Norden Bruchsals entspringt.  
Schon 2004 hatte das Land bei einer Flussgebietsuntersuchung eine defizitäre Gewässerstruktur des Fischgewässers festgestellt und zehn Jahre später als Konsequenz die Auflösung von vier Querbauwerken angekündigt. Dem Fischbesatz sollte es damit auch bei Niedrigwasser möglich sein, vom Rhein bis zum Schneidmühlenwehr bei Weiher zu schwimmen. Darüber hinaus sollte in bestimmten Bachabschnitten ein naturnaher Gewässerverlauf hergestellt werden, um neue Lebensräume für wirbellose Kleintiere und Wasserpflanzen zu schaffen.  (jd)
 
Fotos: jd

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