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Als die Ziege früher im Dialekt noch "Goaß" oder "Goaße-Bock" hieß (Teil 2)

[Online seit 16.05.2022]

Norbert Christ, Fritz Kief und Manfred Christ mit Ziegenfamilie
Norbert Christ, Fritz Kief und Manfred Christ mit Ziegenfamilie

(1932 in der „Landwirtschaftlichen Zeitung“ des Zwickauer Tageblattes am 22. November)

Gibt Ihre Ziege auch so viel Milch? (1932)

„In den letzten Jahren des vorherigen Jahrhunderts gaben die deutschen Ziegen etwa 500 und wenn es hoch kam etwa 860 Liter Milch im Jahre. Durch Einführung von Milchleistungsprüfungen ist erreicht worden, den Milchertrag der Ziegen ganz wesentlich zu steigern. Besonders in den braunschweigischen Ziegenzuchtverbänden hat man vorbildlich gearbeitet, in dem vor allem auch die Fütterung der Leistung angepasst worden ist. So betrug der Gesamtdurchschnittsertrag der braunschweigischen Ziegen im Jahre 1929/30 964 Kilogramm mit 3,6 Prozent Fett. Das sind 35,3 Kilogramm Milchfett im Jahre. Die zehn besten Ziegen hatten Micherträge von 1464 bis 2156 Kilogramm. Den Weltrekord hat eine Ziege mit 2220 Kilogramm Milch und 86½ Kilogramm Fett im Jahre in Rheinland aufgestellt. Auch im sächsischen Erzgebirge und anderswo ist vorbildlich an der Leistungssteigerung der Ziegen gearbeitet worden.“

Heute wird als Wert 850 Liter bis ca. 1200 Liter als alternativer Ziegenmilchwert angegeben.

 

Fritz Kief mit einem jungen Zicklein
Fritz Kief mit einem jungen Zicklein

Die Ziegenfütterung im Winter (1932)  

„Neben Heu bilden die Hack- und Wurzelfrüchte die Grundanlage der Ziegenfütterung im Winter. Kartoffeln werden gekocht oder gedämpft und gequetscht; auch Kartoffelschalen, die frei von Sand und Erde sein müssen, können in mäßigen Mengen gegeben werden. Bei Stallfütterung soll auch Futterkalk gegeben werden: es genügen dreimal wöchentlich 10 bis 15 Gramm für das ausgewachsene Tier. Das wachsende Ziegen genügend Kalk im Futter haben müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. Geringe Salzbeigabe macht Kartoffeln, Biertreber, Zuckerrübenschnitzel schmackhaft. Wenn aber die Ziege nach Beigabe von Kochsalz Durchfall bekommt; manche Ziegen in dieser Hinsicht empfindlich. Trockenschnitzel füttert man am besten eingeweicht, während man die Kartoffelflocken trocken verabreichen kann. Unter den sogenannten Kraftfuttermitteln werden für die Ziegen besonders Hafer und Gerste in Schrotform in Anspruch genommen. Auch außerhalb der Deckzeit sind mäßige Hafermengen für die Böcke erwünscht. Weizen- und Roggenkleie sind ein gutes Mittel, die Fütterung ergänzen, während geringe Mengen von Bohnenschrot der Eiweißversorgung dienen. Andere eiweißergänzende Kraftfuttermittel sind die Ölkuchen und Ölkuchenmehle, unter denen an erster Stelle die Leinkuchen in bracht kommen. Gute Leinkuchen geschrotet, sind auch ein geeignetes Futter für Aufzuchtlämmer.“

Während des Besuches des Schulrates im Reilinger Unterricht in der Schule sollten nicht „Goaßen“ als Namen verwendet werden. Sie sollten als „Geißen“ oder noch besser als „Ziegen“ bezeichnet werden; so wie man es im Naturkundeunterricht und in der „Schriftsprache“ benannte. Im Märchen der Gebrüder Grimm „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“ befahl die „Geißenmutter“ den kleinen Geißlein, dass sie bei Ihrer Abwesenheit niemanden ins Haus lassen sollen. Aber die älteren Reilinger Menschen erinnerten sich noch immer und sagten in Mundart: „Mir hawwe alle Goaß g´hatt!“  Bei der Kölner Fußballmannschaft 1. FC Köln wird das Maskottchen der „Hennes“ auch heute immer noch als „Geißbock“ und nicht als „Ziegenbock“ bezeichnet!

Quelle: Zwei Bilder von Christa Kief von früher:

Philipp Bickle/Fotos: Philipp Bickle

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Philipp Bickle ist Ehrenbürger der Gemeinde Reilingen und schreibt seit Jahren wöchentlich ortsgeschichtliche Beiträge für die Reilinger Nachrichten und die Gemeindehomepage.
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