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Ein Kapitel für Frauen! (Teil 1)

[Online seit 29.03.2022]

Zwei Inserate um 1904 über Leibchen und Korsette:

Quelle:
Arzt Fürs Haus:  Nr. 1148, Sonntag, den 2. Oktober 1904 „Fürs Haus“, Praktisches Wochenblatt für alle Hausfrauen“, von Clara von Studnitz, Berlin SW

Wenig Kinder kranke Frauen! Das ist das Ergebnis der Beobachtung, die man heute allerorts in allen Gesellschaftskreisen machen kann. Ja, die Frauenkrankheiten mehren sich immerfort, trotzdem die Zahl der Geburten der einzelnen Frau sehr gering ist. Wenn heute eine Frau sechs Kinder geboren hat, so gilt das schon als eine Ausnahme; wenn aber heute jede zehnte Frau krank ist, so ist das schier nicht mehr verwunderlich es ist ja die Regel. 
Früher war das anders. Das Ergebnis der Beobachtung lautet: Viele Kinder – gesunde Frauen!  In allen Familien konnte man damals durchschnittlich zwölf Kinder zählen, deren Mütter sich stets der besten Gesundheit erfreuten, leicht die schweren Stunden überstanden und ein hohes Alter erreichten. Viele, die ich selbst noch gekannt habe, sind 90 und 85 Jahre alt geworden und waren immer gesund und rüstig, körperlich sowohl wie geistig.

Schule in dem alten Schulhaus neben dem Rathause einer 6. Klasse mit Lehrer 1908/09 mit 70 Schulkindern  (!!! In einer Klasse!) mit ca. 12- 13 Kindern.
Schule in dem alten Schulhaus neben dem Rathause einer 6. Klasse mit Lehrer 1908/09 mit 70 Schulkindern (!!! In einer Klasse!) mit ca. 12- 13 Kindern.

Wie ist dieser glückliche Zustand der Frauen voriger Jahrhunderte wohl zu erklären? Ganz einfach durch die naturgemäße Lebensweise. Diese Frauen kannten kein Korsett, welches zu Missbildungen der inneren Organe und somit zu schweren Geburten führt, sondern bekleideten ihren Busen nur mit einem Leibchen. Diese Frauen verbrachten ihre Jugendzeit auch nicht an der Nähmaschine, dem Schreibtisch und in dumpfen Fabrikräumen, sondern schafften emsig in der Küche, im Hause und auf den Feldern, durch welche Tätigkeit ihre Muskeln gestärkt, ihr Blut gereinigt, ihre Nerven gestählt und Herz und Sinn frisch und fröhlich wurden. Mit neunzehn und zwanzig Jahren heirateten dann diese  Frauen den Mann, den sie liebten, und fürchteten sich auch nicht vor den Kindern, die da kommen konnten, geschweige denn suchten sie ein glückliches Ereignis zu verhindern, was leider nicht selten geschieht und auch in der Folge zu Frauenleiden führt. 
Arme Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts, die ihr ein Korsett tragen zu müssen vermeint, die ihr euch in Fabrikräumen, Bureaus und Nähstuben zu nichte machen müsst, die ihr dreißig Jahre alt werdet, ohne ans Heiraten denken zu dürfen, und die euch, wen ihr heiratet, vor Kindern fürchten müsst, weil ihr sie nicht alle, die da kommen könnten, ernähren könnt!!
Aber ist denn wirklich das Los der Frauen  im Zeitalter der Elektrizität so traurig? Durchaus nicht! Es gehört nur ein bisschen Energie dazu, um auch unser Zeitalter für die Frauen glücklich zu gestalten. Die Frauen  selbst haben es in der Hand, ihr Geschick besser zu gestalten, und zwar einzig und allein durch eine naturgemäße Lebensweise

Philipp Bickle

Fotos: Philipp Bickle

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Philipp Bickle ist Ehrenbürger der Gemeinde Reilingen und schreibt seit Jahren wöchentlich ortsgeschichtliche Beiträge für die Reilinger Nachrichten und die Gemeindehomepage.
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