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Vom Kuhbrunnen zur Wasseruhr ( Teil 2 : Vom Lösch- und Trinkwasser)

[Online seit 21.03.2021]


Für den Betrieb der Wassergewinnungsanlage musste man stets Geld bezahlen. Man nannte das den „Wasserzins“, und es wurde nach fest bestehenden Pauschbeträgen abgerechnet. Wer Vieh hatte oder gar eine Gastwirtschaft oder Metzgerei betrieb, musste mehr zahlen als ein einfacher Haushalt. Interessant ist eine alte Rechnung  über 1,95 Mark, welche am 3.Juni 1929 an die „Wässerungsgenossenschaft Reilingen“ bezahlt werden musste.  Mir gedenkt noch, dass der „Wasserzins“ von  3  Mark  um 1950  in bar von  Hans Weibel und Josef Kneis an der Haustüre kassiert wurde. Herr Kneis wurde  deswegen „Wassersepp´l“ genannt.  (So wurde auch der elektrische Strom von Peter Claus  abgelesen und in bar im Hause bezahlt). Für die Wassertechnik waren die „Wassermeister“ zuständig. Als Namen gedenken mir noch Hans Weibel und Erich Schell.
Im Jahre 1965 wendet sich das Bürgermeisteramt Reilingen (unterzeichnet vom stellvertretenden Bürgermeister Bernhard Kneis) an die Bevölkerung in einem Rundschreiben. Darin lesen wir u. a. :

„ Es ist nun aber nicht so, dass wir all die vergangenen Jahre kein Wasser zur Verfügung hatten, denn die nachfolgenden Zahlen zeigen, dass wir mit diesem kostbaren Nass recht verschwenderisch umgegangen sind. Wir haben errechnet, dass je Kopf und Tag 400 Liter Wasser verbraucht worden sind.
Alle Ermahnungen und Bitten, mit dem Wasser sparsam umzugehen, führten bis jetzt nicht zum Ziel. Aus diesem Grunde hat der Gemeinderat in einer Sitzung beschlossen, dass der Wasserverbrauch in jedem Haus, Gewerbebetrieb oder bei sonstigen Abnehmern in Zukunft durch eine  W a s s e r u h r   gezählt wird.
Damit wurde eine Maßnahme zur Sicherstellung der Wasserversorgung getroffen, die von tausenden von Gemeinden  seit langer Zeit mit gutem Erfolg durchgeführt wird. Als Beispiel möchten wir in unserer Gegend nur die Gemeinden Hockenheim, Schwetzingen, Brühl, Sandhausen, Nussloch usw. anführen.
Es ist dies sozial gesehen, die einzig gerechte Bemessungsgrundlage. Keiner soll mehr Wasser bezahlen als er verbraucht und als seine Uhr anzeigt. Genau wie beim Strom- und Gasverbrauch.

Wir als Gemeindeverwaltung sind außerdem noch für die Wirtschaftlichkeit des Wasserwerkes verantwortlich, d. h. wir müssen wie bei einem Unternehmen darauf achten, dass Reparaturen, Erneuerungen und Erweiterungen unserer Wasserversorgung aus eigenen Mitteln finanziert werden können.  Das Wasser kann also nicht verschenkt werden!
Der Gemeinderat hat mit der Arbeitsgemeinschaft „ Hermann Kammer –Emil Bühler“ hier eine vertragliche Abmachung getroffen  und diese mit dem Einbau der Wasserzähler beauftragt. Privater Einbau ist nicht gestattet! Mit dem Einbau wird am 15. März 1965 begonnen.
Die monatliche Zählermiete betrug (1965) je nach Verbrauch zwischen 0,80 DM bis 2,50 DM. 1 cbm (1000 l) Wasser kosteten 50 Pfennig und für das Abwasser 25 Pfennig. Die 1963 eingeführte Müllabfuhr kostete 1,30DM pro Eimer und Monat. 
Quellen: Benachrichtigung der Gemeinde Reilingen vom März 1965---- Eigener Bericht für die RN vom Jahre 2012   -- Als die Feuerwehr noch zu Fuß unterwegs war: Der fast 100 Jahre  alt gewordene verstorbene Feuerwehrhornist Jakob Astor (1903 bis 2002) rief die Feuerwehr schon recht „modern“ mit dem „Fahrrad am Sonntagmorgen zu Übungen. Dabei fuhr er durch das ganze Dorf.  --- Altes Wasserwerk von 1927 an der Hockenheimer Straße  am Ortsausgang Richtung Hockenheim.
Philipp Bickle/Foto: Philipp Bickle

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Philipp Bickle ist Ehrenbürger der Gemeinde Reilingen und schreibt seit Jahren wöchentlich ortsgeschichtliche Beiträge für die Reilinger Nachrichten und die Gemeindehomepage.
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