Öffentliche Gemeinderatssitzung am 11.12.2006

 


 

Nach Jahren des Rückgangs wieder deutlicher Aufwärtstrend
Optimistischer Blick in das kommende Haushaltsjahr/Positives Ergebnis im Verwaltungshaushalt/Freiwillige soziale Leistungen

 

Mit einer guten Nachricht eröffnete Bürgermeister Walter Klein am Montagabend die letzte Sitzung des Gemeinderates in diesem Jahr: "Der Haushaltsentwurf für 2007 zeigt seit Jahren der Stagnation und des Rückgangs wieder einen deutlichen Aufwärtstrend bei den Kommunalfinanzen." Außerdem könne er erstmals seit drei Jahren dem Gemeindeparlament wieder einen Verwaltungshaushalt mit einem positiven Ergebnis vorlegen. Nach Jahren eigener Konsolidierungsanstrengungen, die jedoch durch sinkende Finanzzuweisungen vom Land und dramatisch steigenden Ausgabenbelastungen im sozialen Bereich und bei der Kreisumlage wieder mehr als zunichte gemacht worden seien, könne jetzt wieder mit einer besseren Finanzausstattung der Kommunen gerechnet werden. So könne Reilingen beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer mit 279.000 Euro Mehreinnahmen rechnen, bei den Schlüsselzuweisungen mit 208.000 Euro und bei den Landeszuweisungen nach dem Familienleistungsausgleich mit weiteren 28.000 Euro. „Allein bei diesen drei wichtigen Einnahmepositionen liegt somit eine Verbesserung von über einen halben Million Euro gegenüber dem Vorjahr“ vor. Positiv wirke sich auch der unverändert gebliebene Hebesatz bei der Kreisumlage aus, wo sich die zusätzlichen Ausgaben auf lediglich 8.000 Euro beschränken.

Insgesamt weist der neue Haushalt ohne die kommunalen Eigenbetriebe ein Volumen von 12,1 Mio. Euro aus, wovon auf den Verwaltungshaushalt 11,1 Mio. Euro entfallen, auf den Vermögenshaushalt rund eine Million Euro. Der geplante Einnahmeüberschuss im Verwaltungshaushalt liegt nach dem von Bürgermeister Klein vorgelegten Haushaltsentwurf bei 134.000 Euro. Im Jahr 2005 war hier noch ein Minus von 913.000 Euro eingestellt, 2006 immerhin noch ein Negativbetrag in Höhe von 177.000 Euro.

Im Gegensatz zu den beachtlichen Einnahmesteigerungen gebe es, so der Bürgermeister, bei den Ausgabeansätzen nur wenige Abweichungen, die nicht oder nur sehr schwer beeinflussbar seien. So belastet der höhere Mehrwertsteuersatz den Haushalt mit 57.000 Euro, die Bewirtschaftungskosten für die öffentlichen Gebäude stiegen vor allem aufgrund der Entwicklung im Strom- und Heizkostenbereich um 22.000 Euro (plus 5,5 %) und die Zuschüsse für soziale Einrichtungen, insbesondere im Kindergarten- und Kleinkinderbetreuungsbereich um weitere 149.000 Euro (plus 20,2 %).

Dank der verbesserten Finanzlage wird die Gemeinde Reilingen neue, aber auch in der Vergangenheit gestrichene freiwillige soziale Leistungen in den Etat für 2007 wieder aufnehmen. So soll die 2004 abgeschaffte Entgeltfreiheit für die Geschwisterkinder in den Kindergärten wieder eingeführt werden. Geplant ist zudem die finanzielle Förderung von Betrieben, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, und der Ankauf von Schulbücher durch die Eltern. Die genauen Modalitäten will der Gemeinderat noch in einer öffentlichen Sitzung im Februar 2007 festlegen.

Und auch für die Vereine hatte Walter Klein gute Nachrichten parat: "Wir werden ab 2007 wieder die Bezuschussung von Baumaßnahmen und Anschaffungen einführen". Die früheren Fördersätze werden zwar nicht ganz erreicht, aber immerhin 60.000 Euro stünden hierfür bereit, mit denen auch die seit 2004 gestellten Anträge nachträglich bewilligt werden könnten. Zusätzlich werden den Vereinen weitere 35.000 Euro an allgemeinen Fördermitteln zugestanden.

Mit einem Blick auf die Gewerbesteuer, deren Ansatz bereits im dritten Jahr in Folge auf 720.000 Euro erhöht werden konnte, dankte der Bürgermeister den heimischen Gewerbebetrieben, die mit ihren Steuerzahlungen dazu beitragen, die vielfältigen Aufgaben erfüllen zu können.

Spürbar auch die Entspannung im Bereich des Vermögenshaushaltes, wo nach Jahren enormer Großinvestitionen im Bereich der Schule, Feuerwehr und Kindergärten im Jahr 2007 ein deutlich geringeres Investitionsvolumen mit 911.000 Euro vorgesehen ist. Als bedeutendste Einzelmaßnahmen wurden von Bürgermeister Klein aufgezählt, die Modernisierung der Heizzentrale der Fritz-Mannherz-Hallen und Schule mit 138.000 Euro, die Fortführung der Ortskernsanierung mit 338.000 Euro, Straßenbaumaßnahmen mit 40.000 Euro, die Förderung von Investitionsvorhaben der Vereine mit 60.000 Euro und der Erwerb diverser Grundstücke mit 250.000 Euro. „Zur Finanzierung dieser Projekte können wir leider nicht mehr auf unsere in Vorjahren angesammelte Rücklage zurückgreifen, da sie bis auf den vorgeschriebenen Mindeststand verbraucht ist“, so Bürgermeister Klein bedauernd. Um die vorgesehenen Projekte finanzieren zu können, sei es notwendig, einen weiteren Kredit von 245.000 Euro aufzunehmen. Realistisch müsse man aber auch die Situation bei den Grundstücksverkäufen betrachten, wo Einnahmen von 300.000 Euro erforderlich seien, um den Vermögenshaushalt auszugleichen.

Walter Klein: "Auch wenn das Investitionsvolumen im kommenden Jahr etwas geringer ausfällt, können wir damit die Entwicklung unserer Gemeinde planmäßig fortsetzen. Insgesamt bewegt sich der Vermögenshaushalt 2007 - trotz der geplanten Kreditaufnahme - auf einem beruhigenden Niveau".

 

 

Die Eigenbetriebe Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung


Informationen gab der Bürgermeister ebenso zu den Wirtschaftsplänen der beiden Eigenbetriebe Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Die seit 01.01.2001 reduzierte Wassergebühr könne nach dem Ergebnis einer neuen Gebührenkalkulation bis Ende 2008 weiter beibehalten werden. Dagegen müsse die Abwassergebühr, die vor zwei Jahren reduziert werden konnte, um 20 Cent auf 1,85 € je Kubikmeter angehoben werden. Im kreisweiten Vergleich stehe Reilingen mit der Wassergebühr unverändert an sechstbester Stelle und nehme mit der höheren Abwassergebühr immerhin noch einen Platz im vorderen Drittel ein.

Der Erfolgsplan geht bei der Wasserversorgung von einem Verlust von 2.500 Euro und bei der Abwasserbeseitigung von einem Gewinn in Höhe von 21.000 Euro aus. Beide erwarteten Jahresergebnisse dienen dazu, Jahresverluste bzw. –gewinne auszugleichen.

Die bei der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung eingestellten Investitionen haben ein Volumen von rund 940.000 Euro, wovon auf den Eigenbetrieb Wasser 390.000 Euro und die Wasserbeseitigung 550.000 Euro entfallen. Im wesentlichen werden die Gelder investiert in die Erschließung des Baugebietes „Fröschau/Wörsch“ (600.000 Euro), die Vermögensumlage an die Stadt Hockenheim für die gemeinsame Kläranlage (25.000 Euro), eine Generalinstandsetzung der Abwasserübergabestation in der alten Kläranlage (42.000 Euro) und die Instandsetzung verschiedener Wasserleitungen und Kanäle im Ortsnetz (260.000).

Auch bei den Eigenbetrieben muss zur Deckung der Finanzierungslücken eine Kreditaufnahme eingeplant werden. Die erwartete Nettokreditaufnahme für beide Betriebe liegt bei 121.000 Euro.

 

 

Finanzplanung und Investitionsprogramm


Als weiterer wichtiger Bestandteil der jährlichen Haushaltsplanung stellte der Bürgermeister die Finanzplanung und das Investitionsprogramm für den Zeitraum 2008 bis 2010 vor. Der Finanzplan sei, so Klein, nur ein grober Rahmen der finanziellen Entwicklung, der jährlich aktualisiert und angepasst werden müsse. „Finanzplan und Investitionsprogramm sind sozusagen das Wunschprogramm der Gemeinde“.
Habe man im Vorjahr noch eine negative Zuführungsrate von rund 372.000 Euro prognostiziert, könne aufgrund der aktuellen Entwicklung jetzt mit besseren Zahlen gerechnet werden. „Von zufrieden stellenden Ergebnissen sind wir jedoch noch weit entfernt“, so der Bürgermeister deutlich. Die Kalkulationen seien mit äußerster Vorsicht zu betrachten, da die angenommenen amtlichen Steigerungssätze zwar wünschenswert, aber nicht gerade realistisch seien. „Trotz aller Skepsis ist jedoch ein Aufwärtstrend bei den Kommunalfinanzen erkennbar“.
Für Reilingen würde dies bedeuten, dass bis Ende 2010 rund 4,2 Millionen Euro investiert werden könnten. Als wichtigste anzustrebende Maßnahmen nannte Bürgermeister Klein die Anlage eines neuen Sportgeländes in der Nachtwaid (1,45 Mio. Euro), den Bau einer Grillhütte (260.000 Euro) und die Gestaltung des Friedhof-Vorplatzes für rund 250.000 Euro. Außerdem sehe die mittelfristige Finanzplanung weitere Investitionen im Sanierungsgebiet II (640.000 Euro), die Umgestaltung von Straßen und Feldwege (695.000 Euro), sowie verschiedenen Grunderwerb in Höhe von 450.000 Euro vor. Um die genannten Maßnahmen auch finanzieren zu können, rechne man, so der Bürgermeister optimistisch, mit Landeszuschüssen in Höhe von 824.000 Euro und kommunalen Grundstücksveräußerungen im Wert von rund 1,1 Mio. Euro. Trotzdem seien dann noch Kreditaufnahmen von fast zwei Millionen Euro notwendig.

„Die schwache Ertragskraft bleibt eine zusätzliche Belastung“, bedauerte Bürgermeister Walter Klein. So werde aus heutiger Sicht lediglich der Verwaltungshaushalt 2008 eine positive Zuführungsrate erwirtschaften, während 2009 und 2010 wiederum deutliche Defizite erwartet werden. Trotz des unverkennbaren Aufwärtstrends wolle er deshalb weiterhin mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl geplante Vorhaben erst dann angehen, wenn es finanziell verantwortet werden könne.

Die vorgelegten Planentwürfe fanden die grundsätzliche Zustimmung des Gemeinderates. Einstimmig wurde die Gemeindeverwaltung beauftragt, die Haushaltsatzung mit allen Anlagen zur Beschlussfassung im Gemeinderat am 15. Januar 2007 fertig zu stellen.

 

 

SPD: „Optimismus nicht unbegründet“


Bereits in der Bewertung des letztjährigen Haushaltsentwurfes habe die SPD-Fraktion im Gemeinderat vorsichtige Impulse für eine Besserung der Haushaltssituation gesehen, stellte der SPD-Fraktionssprecher Dieter Rösch fest. Jetzt, am Ende des Jahres 2006, zeige es sich, dass dieser Optimismus nicht unbegründet gewesen sei. Die positive Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen in Reilingen würden die gesamtwirtschaftliche Konjunkturbelebung widerspiegeln. Dennoch: „Mit den gemeinsam erarbeiteten und von der Verwaltung vorgelegten Haushaltsansätzen braucht uns vor der zukünftigen Entwicklung nicht bange zu sein", so Rösch in seiner Stellungnahme weiter. Die Gemeinde sei für die kommenden Jahre gut aufgestellt, Luftschlösser könne und wolle man aber nicht errichten. Dennoch könnten die für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Bürger nötigen Maßnahmen und Ausgaben "mit einigen kleineren Abstrichen" aber weiterhin gewährleistet werden.
 

 

Freie Wähler: „Nur ein Silberstreif am Horizont“


Betrachte man den Verwaltungshaushalt als Gradmesser der Finanz- und Ertragskraft der Gemeinde, so sei zwar „ein Silberstreifen am Horizont“ zu erkennen, aber auch nicht mehr, stellte Fraktionsvorsitzender Friedrich Feth für die Freien Wähler fest. Obwohl eine gewisse Trendwende bereits im Jahr 2006 eingetreten sei, habe man Zweifel, ob man bereits vom Beginn des Endes des "Gangs durch das Tal der finanziellen Tränen" der letzten Jahre zu sprechen könne. Es zeige sich nämlich mehr als deutlich, dass Reilingen „nahezu tatenlos abhängig" von der konjunkturellen Entwicklung im Lande sei. Feth kritisierte das Ausbleiben einer von Finanzminister Stratthaus im Gegenzug zur Umsatzsteuererhöhung in Aussicht gestellten Verbesserung der Kommunalfinanzen. Und mit einem Blick auf die bisher zu geringen Grundstückerlöse bot er die Mithilfe der Freien Wähler an, eine neue Strategie der Grundstücksvergabe zu entwickeln, um auf weitere Kreditaufnahmen zur Haushaltsfinanzierung verzichten zu können. Einen Teil der Gewerbesteuereinnahmen wolle man über eine Förderung von Ausbildungsplätzen in die Reilinger Gewerbebetriebe reinvestieren.
 

 

CDU: „Vorreiterrolle bei der Kinderbetreuung“


Insgesamt sei es gut, dass sich die bessere Konjunktur bereits auch in den Reilinger Finanzplanungsdaten abbilde, zeigte sich CDU-Sprecher Klaus Benetti optimistisch – „auch wenn wir sicher noch einige Verbesserungen vertragen können". Er bedauerte, dass die Hauptausgaben nach wie vor durch Pflichtaufgaben verursacht würden, die durch die Gemeinde nicht zu beeinflussen seien. Dank der besseren Wirtschaftsergebnisse in Deutschland habe sich auch die Gemeindefinanzierung verbessert. Diese Mehreinnahmen würden aber im Verwaltungshaushalt hauptsächlich zur Finanzierung der vom Gemeinderat beschlossenen Kinderbetreuung verwendet. „Das Geld ist gut angelegt", betonte Benetti, der zugleich daran erinnerte, dass Reilingen im Bereich der Kinderbetreuung eine Vorreiterrolle in der Region einnehmen würde. Zugleich bewertete es der CDU-Sprecher als positives Zeichen, dass 2007 wieder Zuschüsse für Vereinsinvestitionen zur Verfügung stehen würden. Dies sei auch gerechtfertigt, würden die Vereine doch einen großen Beitrag zur Attraktivität einer Gemeinde leisten.
 

 

FDP: „Spagat zwischen Sparen und Investieren“


„Die Konsolidierung des Haushaltes muss oberste Priorität haben", zeigte sich Jens Pflaum in der Stellungnahme der FDP-Fraktion zuversichtlich, mit der Haushaltssatzung für das Jahr 2007 auf dem richtigen Weg zu sein. Ziel müsse es sein, einen ausgeglichenen Haushalt ohne neue Aufnahme von Fremdmitteln möglich zu machen. Dazu müssten alle Ratsfraktionen ihren Beitrag leisten. Die FDP sei bereit, diesen Spagat zwischen Sparen und Investieren mit umzusetzen. Kritisch bewertete Pflaum die im Haushaltsentwurf berücksichtigen Anträge der anderen Fraktionen. „Kaum sind die Einnahmen im Steigen, meint man, wieder Geschenke verteilen zu können".
Auch von der FDP unterstützt wird der Neubau eines Lebensmittelmarktes in der Hauptstraße, allerdings nicht durch die gemeindeeigene KWG. Es könne nicht Anliegen und Aufgabe einer Gemeinde sein, so Pflaum, einen eigenen Lebensmittelmarkt zu haben, der eine unnötige Kapitalbindung verursache. Besser sei es, sich mit den Themen ÖPNV, Verkehrskonzept und Wirtschaftsförderung zu befassen. „Wir brauchen eine zukunftsorientierte und bürgernahe Kommunalpolitik, wobei eine soziale Ausgewogenheit sich immer am finanziell Machbaren ausrichten muss“.

Alle Fraktionen dankten der Verwaltung für das übersichtlich aufbereitete Zahlenwerk, die umfassenden Informationen und den stets offenen Dialog.
 

 

 

Denkmalgerechte Sanierung kommt gut voran


Mit drei weiteren Arbeitsvergaben mit einem Volumen von rund 80.000 Euro trug der Gemeinderat zum weiteren Fortschritt der Umbauarbeiten am unter Denkmalschutz stehenden Mehrfamilienhaus in der Hauptstraße 25 bei. Mit den Fensterbauarbeiten wurde ein Unternehmen in Philippsburg beauftragt. Die Kosten liegen hier bei rund 24.100 Euro. Die Putz- und Trockenbauarbeiten führt ein Altlußheimer Betrieb aus und darf hierfür rund 39.000 Euro aus der Gemeindekasse erwarten. Die Maler- und Tapezierarbeiten sind für ein Unternehmen aus Rohrbach bestimmt. Es war, wie bei allen anderen Gewerken auch, im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung als wirtschaftlichster Bieter ermittelt worden. Der Kostenaufwand beläuft sich hier auf rund 17.600 Euro.
 

 

Eigene Kalkulation der Verwaltungsgebühren
Neues Satzungsrecht gilt ab 01. Januar/Gebührenanpassung nur bei wenigen Verwaltungsleistungen notwendig


Neu erlassen hat der Gemeinderat eine Satzung über die Erhebung von Gebühren für öffentliche Leistungen. Eine Neufassung war mit dem Kommunalabgabengesetz aus dem Jahr 2005 und dem Landesgebührengesetz des Vorjahres notwendig geworden. „Die Festlegung der gebührenpflichtigen Tatbestände und der jeweiligen Gebührensätze erfolgt jetzt nicht mehr einheitlich durch die Landesregierung, sondern unmittelbar durch die betroffenen Gemeinden“, erläuterte Bürgermeister Walter Klein. Die seitherigen Gebührensatzungen verlören spätestens zum 31. Dezember diesen Jahres ihre Gültigkeit.

Bei der Gelegenheit habe man auch, so der Bürgermeister weiter, eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes Baden-Württemberg vom Januar 1995 berücksichtigt und erstmals die Gebührensätze im Rahmen einer vom Gemeinderat gebilligten Kalkulation konkret ermittelt. Der Gemeindetag gebe zwar weiter Empfehlungen zur Gebührenhöhe. Diese dürften jedoch von den einzelnen Gemeinden nur noch dann in die örtliche Verwaltungsgebührensatzung übernommen werden, wenn ein Vergleich mit den von ihr kalkulierten Gebührensätzen zeige, dass der empfohlene Gebührensatz nicht höher ausfalle als der örtlich kalkulierte.

Eine Gebührenkalkulation sei in der Vergangenheit vor allem deshalb als entbehrlich angesehen worden, weil Verwaltungsgebühren in der Regel nicht kostendeckend festgesetzt werden und weil sich fast alle Städte und Gemeinden im Interesse einer landeseinheitlichen Gebührensatzgestaltung an den empfohlenen Gebührensätzen orientiert hätten. Ziel des Kommunalabgabengesetzes sei es nunmehr, kostendeckende Verwaltungsgebühren zu erheben.

Auch wenn die letzte Gebührenanpassung rund 14 Jahre zurückliege, müssten nur wenige Positionen angepasst werden, beruhigte der Bürgermeister. Dies sei auch eine Bestätigung der sparsamen und wirtschaftlichen Handlungsweise der Gemeindeverwaltung. Bei einigen Gebührenansätzen werde die Mindestgebühr angehoben oder etwa die bisher als Rahmengebühr ausgewiesenen Leistungen als Festgebühr kalkuliert. In Einzelfällen habe sich zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger gar eine Gebührenreduzierung ergeben.

Die neu gefasste Verwaltungsgebührensatzung fand ein einstimmiges Votum des Gemeinderates. Sie kann auch auf der Gemeindehomepage eingesehen werden.
 

 

Streupflichtsatzung veränderter Rechtslage angepasst


Einstimmig fiel auch der Ratsbeschluss zu einer 2. Änderung der Satzung über die Verpflichtung der Straßenanlieger zum Reinigen, Schneeräumen und Bestreuen der Gehwege aus. Das Ortsrecht war der weiterentwickelten Rechtsprechung anzupassen, erklärte Bürgermeister Klein. Das Satzungswerk beinhalte jetzt klärende Hinweise für Hinterliegergrundstücke, die Reinigungspflicht für Fußwege, Bushaltestellen bis hin zu Baumscheiben. An Wochenenden könnten die Hauseigentümer künftig eine Stunde länger schlafen. Gehwege müssen nach der neu erlassenen Satzung samstags jetzt erst bis 8.00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen bis 9.00 Uhr geräumt und gestreut sein. Diese Pflicht endet unverändert um 21.00 Uhr.

Auch die Satzungsvorgaben zum Streumitteleinsatz ändern sich nicht. Wie seither soll auf winterlichen Verkehrsflächen abstumpfendes Material wie Sand, Splitt oder Asche ausgebracht werden. Auftauende Streumittel bleiben nur ausnahmsweise bei Glatteisgefahr erlaubt.

Die geänderte Streupflichtsatzung kann im Internet nachgelesen werden.
 

 

Kostenrahmen beim Feuerwehrgerätehaus unterschritten


Der Umbau, die Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses konnte jetzt auch rechnungstechnisch abgeschlossen werden. Der im Oktober vergangenen Jahres fertig gestellte Umbau hat nach Angaben von Bürgermeister Walter Klein insgesamt 1.900.177,61 Euro gekostet. In diesem Betrag nicht enthalten seien die Kosten für die Neugestaltung der Atemluftwerkstatt und der Kücheneinrichtung in Höhe von 47.050,92 Euro. Der von der Gemeinde aufzubringende Finanzierungsanteil wurde gemindert um 360.000 Euro aus dem Ausgleichstock und einer Fachzuwendung von 167.608,57 Euro, deren letzte Rate jedoch erst im Jahr 2008 eingenommen werden könne. Die geleisteten Zahlungen unterschreiten den im Kostenanschlag genannten Betrag um 18.910,03 Euro.

 

Positiv aufgenommen wurde von der Gemeindevertretung sein Hinweis, dass durch den tatkräftigen Einsatz der Feuerwehr bei den Abbrucharbeiten etwa 20.000 Euro an Kosten hätten eingespart werden können.
 

 

Prüfungsanstände erledigt


Bestätigt hat das Kommunalrechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises als zuständige Rechtsaufsichtsbehörde, dass die KWG Reilingen mbH mittlerweile die bei einer überörtlichen Prüfung der Bauausgaben festgestellten Anstände für die Jahre 2001 bis 2004 behoben hat. Nach den Bestimmungen der Gemeindeordnung und des Gesellschaftsvertrages war der Abschluss des Prüfungsverfahrens vom Gemeinderat lediglich zur Kenntnis zu nehmen.
 

 

„Sachliche und kompetente Arbeit“


Die traditionelle Ansprache zum Jahresschluss hielt stellvertretend für den Gesamtgemeinderat Klaus Benetti von den Christdemokraten. In einem Rückblick ging er auf die Kernbereiche der politischen Arbeit ein. Er verschwieg nicht, dass der Gemeinderat in diesem Jahr auch öffentlicher Kritik ausgesetzt war. So habe der Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplanes im „Holzrott IV“ zahlreiche Beschwerden hervorgebracht. Er bedauerte die in unangemessener Art und Weise verbreiteten und wenig hinterfragten Argumente der Kritiker. Gerade bei diesem Vorhaben sei die Gemeinde so früh wie nur möglich an die Öffentlichkeit gegangen und stelle sich damit der größten Beteiligung der Bürger, die es für ein Bauvorhaben überhaupt gebe.

Erfreulicherweise sei die Ratstätigkeit von parteipolitischen Auseinandersetzungen weitgehend unbeeinflusst und ausschließlich am Gemeinwohl orientiert gewesen. Angesichts einer sich belebenden Konjunktur hofft Benetti auf eine positive Entwicklung im kommenden Jahr. „Rosige Zeiten wird wohl keiner erwarten, aber eine kleine Verbesserung würde uns schon gut tun“. Schließlich dankte Benetti seinen Kolleginnen und Kollegen im Rat sowie dem Bürgermeister für das überdurchschnittliche Engagement, aber auch die sachliche und kompetente Arbeit, die sich positiv auf das Verwaltungshandeln ausgewirkt habe.

 

„Wir können viel, weil wir zusammenstehen“


In Tagen gerechnet sei das Jahr gar nicht so kurz, aber dennoch sei es wieder wie im Fluge vergangen, stellte Bürgermeister Walter Klein am Ende der letzten Gemeinderatssitzung 2006 im Bürgersaal des Rathauses fest. Um eine abschließende Bilanz zu ziehen, sei es zwar noch etwas früh, aber es könne bereits festgestellt werden, dass es mit dem nötigen Teamgeist wieder gelungen sei, die gesteckten Ziele zum Wohle der Gemeinde, sowie deren Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. „Wir können viel, weil wir zusammenstehen“.
Der Bürgermeister dankte den Ratsmitgliedern ebenso wie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung, sich mit Ausdauer und Leidenschaft den Herausforderungen gestellt und diese mit Sachverstand gemeinsam gemeistert zu haben.