Aus dem Rathaus

Weibliche Straßennamen nur Sackgassen?
Nach Dr. Lea Ultzhöffer benannte Straße

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"Straßenschilder? Was soll man da groß drauf gucken, die stehen eben einfach mal da", werden viele sagen. Ganz gewiss stehen sie da. Aber ist uns dabei schon einmal etwas aufgefallen? Albert-Schweitzer-Straße, Carl-Benz-Straße, Friedrichstraße, Goethestraße, Robert-Koch-Straße, Schillerstraße, um nur ein paar beim Namen zu nennen.

Na, fällt der Groschen? Wo bleiben denn da die Frauen der Geschichte? Zum Beispiel Anne Frank, Sophie Scholl, Hilde Domin, Edith Stein, Rose Ausländer, Helene Lange, Hildegard von Bingen oder Anna Magdalena Bach.

Straßen werden durch den Gemeinderat, der sich zum Großteil aus Männern zusammensetzt, häufig nach bekannten oder bedeutenden Personen des Zeitgeschehens und des öffentlichen Lebens benannt. Aber das waren sicher nicht nur Männer gewesen. Warum finden wir dann in unseren Gemeinden kaum eine Straße mit weiblichen Namen?

Eine Ursache dafür mag sicherlich sein, dass Frauen in früherer Zeit eine untergeordnete Rolle in der Gesellschaft spielten. Die ersten Frauenbewegungen fanden schließlich erst etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Ergebnisse dieser ersten Bewegungen waren zunächst nur das Wahlrecht, das Recht auf Bildung und das Recht auf Erwerbstätigkeit. Erst in den 60er Jahren erlangten die Frauen die Gleichberechtigung, so wie wir sie heute kennen. Aber selbst in Neubaugebieten findet sich keine "weibliche" Straße.

Im Vergleich der drei Gemeinden, was die weiblichen Straßennamen anbelangt, steht Reilingen an der Spitze, gefolgt von Altlußheim. In Reilingen gibt es immerhin drei Straßen, die nach Frauen benannt wurden, auch wenn die Straßen keine allzu große Bedeutung haben.

Die Ehrenbürgerin Dr. Lea Ultzhöffer besitzt immerhin die Ehre, dass ein kleiner Straßenring nach ihr benannt wurde. Doch schauen wir mal in die Hilda- oder in die Sofienstraße. Mal ganz davon abgesehen, dass wohl kaum ein Bürger weiß, wer denn Hilda oder Sofie (Frau von Leopold I. Großherzog von Baden) waren - sie befinden sich in einer Sackgasse. Also in einer Straße, die überwiegend nur von den Anwohnern betreten beziehungsweise befahren wird.

Altlußheim dagegen war in der Hinsicht etwas großzügiger. Es gibt dort zwar nur eine "weibliche" Straße, nämlich ebenfalls eine Hildastraße, aber wenigstens steht dort der Hilda von Baden, der Gattin des Großherzogen Friedrich II., eine richtige gleichwertige Straße zu, während Neulußheim hingegen bei der Suche nach weiblichen Straßennamen völlig leer ausgeht.

Immerhin besteht die Hoffnung, dass sich durch den fortschreitenden Gesellschaftswandel und der immer größer werdenden Bedeutung der Gleichberechtigung in Zukunft öfter weibliche Straßennamen im Straßenbild finden lassen. Ob wir das noch erleben dürfen steht - nein, nicht auf Straßenschildern, sondern in den Sternen.
Vanessa Schäfer aus SZ, Foto svs
( 08.05.2006 - 14:33)

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