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Das "Paradies" im Wandel der Zeit

[Online seit 09.10.2017]

Die heutige Straßenansicht des Anwesens in der Hauptstraße 24.
Die heutige Straßenansicht des Anwesens in der Hauptstraße 24.

Ehemaliges Bauernhaus macht Platz für einen Neubau
 
Im „Paradies“ ist nichts mehr so wie es einmal war. Gemeint ist nicht der in der Bibel beschriebene Garten Eden, sondern der älteste Reilinger Ortsteil, das Unterdorf. Nirgends im Ort ist der Wandel von dem früheren, landwirtschaftlich geprägten Dorf in eine Wohngemeinde deutlicher zu erkennen. So manchem Gebäude wurde in den vergangenen Jahrzehnten dank der Fördergelder von Dorfentwicklung und Ortskernsanierung neues Leben eingehaucht und  die Bausubstanz saniert. Andere wiederum waren durch jahrelangen Leerstand dem Verfall preisgegeben. Dann blieb oft nur der Abriss. Dieses Schicksal erleidet jetzt auch das Anwesen in der Hauptstraße 24. Das ehemalige Bauernhaus wird gerade entkernt. Der Dachstuhl ist bereits abgenommen. Bis November wird auch das Mauerwerk eingerissen sein.
Jürgen Kief, der jetzige Eigentümer der Liegenschaft, hatte keine Möglichkeit mehr gesehen, sein seit vier Jahren leerstehendes Elternhaus mit seinen kleinen Kammern und sehr niedrigen Decken weiter zu erhalten. „Die Gebäudesubstanz war schon stark angegriffen und um die heutigen Standards zu erfüllen, wären unverhältnismäßig hohe Investitionen notwendig gewesen“, bedauert er. Fest steht bislang lediglich, dass die entstandene Lücke wieder bebaut werden soll.
 
Fachwerkbau von Kindern rekonstruiert
 
Über 200 Jahre hat das ebenerdige Häuschen mit seinem ortstypischen steilen Giebeldach erlebt.  Es wurde nach den Unterlagen des Rathauses im Jahr 1783 errichtet und im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. In den 1960er Jahren war es der Vater des jetzigen Eigners, Heinrich Kief, der den damals noch vorhandenen Fachwerkgiebel abgebrochen und die Giebelwand erneuert hat. Er war Gipser von Beruf und hatte die väterlicherseits von Jakob Kief übernommene Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb ausgeübt.
Das frühere Aussehen des Fachwerkbaus dokumentiert seit Mitte 1982 ein riesiges, auf der östlichen Außenmauer gemaltes Wandbild. Dabei gelang es, ein echtes Fenster in das entstehende Bild zu integrieren. Das stattliche Werk  mit den Ausmaßen von 22 mal drei Meter war im Verlauf einer mehrtägigen Ferienfreizeit der Freunde Reilinger Geschichte entstanden. Die künstlerische Leitung der Kinderaktion hatte der damalige zweite Vorstand des 1981 gegründeten Vereins , Professor Josef Walch inne.
 
Familienname „Kief“ in der Überzahl
 
Eine Besonderheit ist die Lage des Anwesens. Bis in die 1970er Jahre war in der Nachbarschaft ausschließlich der Familienname „Kief“ anzutreffen. In der Hauptstraße 20 war der Wohnsitz von Jakob Kief, das Haus Nummer 22 (heute viergeschossiges Mehrfamilienhaus) bewohnte Adam Kief, das jetzige Abrissgebäude mit der Hausnummer 24 Heinrich Kief. Sein Nachbar in der Hauptstraße 26 ist der ehemalige, langjährige  Vorsitzende der örtlichen Bauernschaft und des Tabakbauvereins Wilhelm Kief und im Haus Nummer 28 wohnt noch heute Christa Kief.
Der mittlerweile 91 jährige  Wilhelm Kief erinnert sich noch gerne an die alten Zeiten, wo die landwirtschaftlichen Höfe noch in großer Zahl Vieh hielten und das Feld bewirtschafteten. Er weiß auch, wie die für sein Wohnumfeld im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung „Im Paradies“ entstanden ist.
Vermutet wird, dass auf dem Baumannschen Gelände in der Hauptstraße 16 einmal die alte Wendelinskirche (um 1500 erbaut), später auch die alte evangelische Kirche gestanden haben soll. Er hält es für wahrscheinlich, dass dieses „fromme Gebiet“ wohl wegen der zahlreichen Kirchgänger auf dem Weg „zum Paradies“ seinen Namen erhalten habe. (jd)

Mit einem Wandgemälde haben Kinder vor 35 Jahren das frühere Fachwerkhaus wieder aufleben lassen.
Mit einem Wandgemälde haben Kinder vor 35 Jahren das frühere Fachwerkhaus wieder aufleben lassen.
Von dem ehemaligen Bauernhaus stehen nur noch die gemauerten Wände.
Von dem ehemaligen Bauernhaus stehen nur noch die gemauerten Wände.
Die Ansichtskarte aus den 1960er Jahren zeigt die durch Fachwerk geprägte Bebauung der Unteren Hauptstraße.
Die Ansichtskarte aus den 1960er Jahren zeigt die durch Fachwerk geprägte Bebauung der Unteren Hauptstraße.

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