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Määäh! Die Haustiere der Eisenbahner die früher meist Ziegen waren, wurden oftmals gezüchtet! (Teil 1)

[Online seit 09.05.2022]

Das Ziegenbuch von Oswin Gabler
Das Ziegenbuch von Oswin Gabler

Eine Eisenbahnerkuh ist ein Tier, aber besser bekannt unter dem Namen „Ziege“! Es war vor langer Zeit, als es noch keine Supermärkte gab, wie wir sie heute kennen. Die Menschen haben sich damals viel mehr selbst versorgt. Das bedeutet, dass sie Lebensmittel, wie Obst und Gemüse, im eigenen Garten angebaut haben und dort auch Tiere gehalten haben. Die Eisenbahn begann vor etwa 150 Jahren ihre Mitarbeiter beim Anbau von Lebensmitteln zu unterstützen: Eisenbahner konnten dazu Flächen an der Bahnstrecke nutzen. Der Schrankenwärter musste an den Gleisen vor der Annäherung des Zuges die Schranken öffnen oder schließen. Er wohnte beim Häuschen an den Gleisen und durfte die Grundflächen links und rechts der Bahngleise als Gartenfläche nutzen.

In ihrer Freizeit bauten Eisenbahner nun Obst und Gemüse an und versorgten Tiere wie Hühner oder Kaninchen. Die Ziege war aber das beliebteste Tier. Sie gab den Eisenbahnern nicht nur Fleisch, Milch, Leder – wie eine Kuh. Die Tiere benötigten nicht so viel Platz wie eine Kuh. Unter den Eisenbahnern bekam sie schließlich den Spitznamen Eisenbahnerkuh“!

In dieser Zeit um 1900 waren viele Menschen Nebenlandwirte und hielten in ihren Häusern meist Ziegen- oder hatten gar Schweineställe gebaut. Literatur dazu war: „Das Ziegenbuch“ (Ostwin Gabler, Stößen in Thüringen, ab 3. Auflage 1918) Die Verwendung der Ziegenmilch im Haushalt.

Noch mehr als im Frieden zwingen uns die jetzigen Zeiten, die wirtschaftlichen Erzeugnisse unseres lieben Vaterlandes besser und vollkommener auszunutzen. Für uns Ziegenzüchter eine wahre Freude, dass jetzt von allen Schichten der Bevölkerung, auch von unseren Regierungen, großes Interesse für die Kuh des kleinen Mannes entgegengebracht wird. Und mit Recht, denn es gibt wohl kaum ein Haustier, welches mit wenig Futter und Pflege sich so nützlich erweist, als gerade unsere Ziege! … Manche Hausfrau und Mutter, welche früher aus mancherlei Gründen nichts von der Ziegenzucht wissen wollte, ist heute froh, noch rechtzeitig ein oder zwei Kühe, d. h. Ziegen, im Stalle zu haben. Sie wissen es am besten, welche wirtschaftliche Kraft in dem heutigen Lebenskampf um die Ernährung ihrer Familie gerade in unserer Ziegenzucht liegt. Wie wohltuend es gerade jetzt wirkt, wenn die Mutter täglich zwei- bis dreimal mehrere Liter gute, gesunde Milch ihrer Familie in vielerlei Form als ganze Mahlzeiten bieten kann, zur gesundheitlichen Förderung der ganzen Familie. Aber gerade für die Kinder ist die Ziege die Milchlieferantin, weit besser als die Kuh. Das … allerbeste Nährmittel für Kinder und Kranke! 

Es ist leider eine zu beklagende Tatsache, welche auch wissenschaftlich festgestellt ist, dass eine große Anzahl aller Kühe mehr oder weniger an gefährlichen Krankheiten leiden, hauptsächlich aber an der gefährlichsten, der Tuberkulose!

1911 wurden in Reilingen 358 und im Jahre 1925 die Zahl von 421 Ziegen bei den Zählungen in der Gemeinde angegeben. Freilich gab es auch Ziegenböcke unter den „Ziegen“. Die Ziegenböcke wurden von Familien von der Gemeinde angekauft und man ließ sich dort die Ziegen „decken“. Man wusste die Familie Josef Sternberger (Hauptstraße 7) und Pius Klein (Kirchenstraße 37) haben damals eine Zuchthaltung betrieben und die Böcke zur Zucht gehalten. Letztmalig wusste ich noch von Hans Sturm (Bild von etwa 1980?), der einen Ziegenbock hatte.

Quelle: “Eisenbahner´s Kuh“ rund ums Bahnfahren, (Internetseite: „www.der kleine –ice.de“) – Verwendung von „Das Ziegenbuch“, (Oswin Gabler in Stößen, Thüringen 3. Aufl. 1918) – 700 Jahre Reilingen, Tabelle von 1777 bis 1984, S. 303

Philipp Bickle/Fotos: Philipp Bickle

Hans Sturm mit seinem Ziegenbock
Hans Sturm mit seinem Ziegenbock

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Philipp Bickle ist Ehrenbürger der Gemeinde Reilingen und schreibt seit Jahren wöchentlich ortsgeschichtliche Beiträge für die Reilinger Nachrichten und die Gemeindehomepage.
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