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Ortsgeschichte Archiv 2011

Landwirtschaftliche Tradition ist Vergangenheit

Artikel vom 15.12.2011

Diese Scheune Hauptstraße 47 wird abgerissen
Diese Scheune Hauptstraße 47 wird abgerissen
Gebäudeabbruch schafft neuen Freiraum für das Wohnen im Ortskern
Auf den rückwärtigen Grundstücksteilen im Unterdorf findet man sie noch. Die Ställe und Scheunen ehemaliger landwirtschaftlicher Betriebe. Heute stehen sie vielfach leer und sind dem Verfall preis gegeben. Oft ist der heruntergekommene Gebäudekern baufällig und es bleibt nur noch eines - der Abriss. Dieses Schicksal hat in den vergangenen Jahren schon so manches Anwesen im Unterdorf erlitten.
Im November hat es jetzt auch den überwiegenden Gebäudebestand in der Hauptstraße 47 getroffen. Dort wurde nicht nur die quer stehende Scheune, sondern auch der rückwärtige Teil des leerstehenden und ungenutzten Wohnhauses mit angebauter Überdachung vollständig abgebrochen. Auf dem Gelände kann dann, ganz im Sinne des für diesen Bereich geltenden Bebauungsplanes, neuer Wohnraum geschaffen werden. Da diese Entwicklung zugleich eines der Ziele der Reilinger Ortskernsanierung ist, kann ein solcher Gebäudeabbruch auch mit Geldern aus der Ortskernsanierung unterstützt werden.
Seit etwa 15 Jahren stehen die Nebengebäude leer und nur noch das Wohnhaus wird von der verwitweten Elfriede Brandenburger bewohnt. Sie hat zuletzt bis Anfang der neunziger Jahre mit ihrem Ehemann Karl den von den Großeltern mit 18 Jahren übernommenen landwirtschaftlichen Hof betrieben. Einige Jahre wurden Stallungen und Scheune als Unterstellplatz für Vereinspferde des Reitervereins genutzt.
"Mit dem Gebäudeabbruch geht leider ein gute Stück Reilinger Tradition verloren", bedauert der Sohn Werner Brandenburger. Aber man müsse mit der Zeit gehen und innerörtliche Ressourcen sinnvoll nutzen, anstatt immer neues Bauland im Außenbereich zu erschließen und damit der Natur zu entziehen.

Die Scheunen wurden früher auch dazu benötigt, um Stroh und Heu einzulagern. Zum Trocknen des Tabaks wurde viel Raum unter den Ziegeln gebraucht, bis die Tabakblätter ihre goldgelbe Farbe hatten. Mühselig war es, wenn nach einem Gewittersturm die fehlenden Dachziegel ("Biberschwänze") nachgesteckt werden mussten. Manche Scheune enthielt auch einen großen "Scheunenkeller", in welchem Rüben oderKartoffel frisch gehalten wurden. Nicht zu vergessen ist natürlich auch nicht der ausgezeichnete Most, welcher in großen Fässern darin lagerte. Dazu wurden die Birnen- und Apfelbäume gebraucht, die beinahe auf jedem Acker zu finden waren. In den örtlichen Keltereien (Glaser Dagenbach, Eugen Leicht unde Ludwig Althaus) wurde ein
vorzüglicher Haustrunk hergestellt. War es einmal etwas mindere Qualität, dann wurde er "Schei-ärre-Borrzler" ( "purzeln, hinfallen")
genannt. Auf den Scheunenböden (Tennen) wurden früher mit dem Dreschflegel die Körner aus dem Getreide geschlagen und mit der Windfege vom Spreu gesäubert. Bei größeren Bauernhäusern kam auch die Dreschmaschine ins Haus, um an Ort und Stelle die eingefahrenen Getreidegarben auszudreschen. Einige Scheunen hatten unter dem Dach auch genügend Platz, um die Hopfen zu dörren. Da war dann in der Scheunendecke, in etwa 3 Meter Höhe, ein rundes Loch. Dort wurden die großen Hopfensäcke eingehängt und befüllt. Ja, heute kann man nur sagen, es war einmal...!
Hier wurde Hopfen eingebracht
Hier wurde Hopfen eingebracht

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